2. Interkulturelles Symposium im Domicilium

18.02.2019

Auf Augenhöhe am Lebensende

Wie gehen die unterschiedlichen Religionen mit Krankheit, Sterben und Tod um? Diese Frage stand im Mittelpunkt des zweiten Interkulturellen Symposiums im Domicilium. Ein Wochenende lang referierten und diskutierten Vertreter der christlichen Kirchen, des Judentums, des Islams, des Sufismus sowie des Buddhismus und gaben Einblicke in mitunter fremde Kulturkreise.

Symposium 2019Eröffnet wurde die Veranstaltung von Religionswissenschaftler Professor Dr. Michael von Brück und Professor Dr. med. Stefan Lorenzl (Agatharied). Bürgermeister Leonhard Wöhr sprach ein Grußwort. Die Vorträge machten den Teilnehmern deutlich, dass es in allen Kulturen üblich ist, Sterbende zu begleiten und nicht alleine zu lassen. Die Art der Begleitung und die damit einhergehenden Rituale können aber sehr unterschiedlich sein. Stirbt beispielsweise ein Muslim, wird sein Kopf Richtung Mekka ausgerichtet und die Anwesenden sprechen das muslimische Glaubensbekenntnis. Der Leichnam wird auf bestimmte Weise gewaschen und nach Möglichkeit innerhalb von 24 Stunden bestattet. Im Islam und im Judentum ist es zudem eine religiöse Verpflichtung, Schwerkranke und ihre Angehörigen zu besuchen, der auch intensiv nachgekommen wird. Christen sind nach der Bibel ebenfalls angehalten, Krankenbesuche zu machen, allerdings geschieht dies in der Praxis weit weniger, wie Professor Lorenzl aus dem Klinikalltag zu erzählen wusste. Verantwortlich hierfür mag unter anderem die jahrzehntelange Tabuisierung von Krankheit, Sterben und Tod in unserer Gesellschaft sein. Alle Referenten betonten, dass ein würdevoller Umgang mit dem Sterbenden und eine Begegnung auf Augenhöhe entscheidend sei. Besonders anschaulich machte dies Dr. Stephan Probst aus Bielefeld, der berichtete, dass in der jüdischen Tradition Ärzte und Besucher nicht auf den Sterbenden in seinem Bett hinabsehen, sondern sich wortwörtlich auf Augenhöhe begeben sollen.

Nicht nur für Berufsgruppen, die Menschen an ihrem Lebensende beistehen, ist eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen religiösen Bräuchen und Gepflogenheiten hilfreich. In unserer Gesellschaft herrscht eine kulturelle Vielfalt, die dazu einlädt, respektvoll aufeinander zuzugehen, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und ein gelingendes Miteinander möglich zu machen. So wurde Pater Damian Hungs OT auch von allen Seiten zugestimmt, als er meinte, dass der interreligiöse Dialog gerade in unserer heutigen Zeit wichtig sei und man Räume benötige um sich auszutauschen. Einen solchen Raum bot das Interkulturelle Symposium, das in einer Atmosphäre der Wertschätzung, Offenheit und Toleranz stattfand und mit einer interreligiösen Feier des Lebens und des Sterbens stimmungsvoll endete.

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