Sufische Tradition - Ingo Taleb Rashid

Taleb Rashid Ingo, stammt aus dem Irak, Sheikh und Oberhaupt der Naqshbandi-Rashidiya Sufi-Tradition, Begründer von Movement Concept, einem Körperarbeitssystem mit Elementen aus Tanz, Schauspiel, Kampfkunst, und Meditation. Choreograph und Regisseur. www.elhaddawi.de
Sufische Praxis und Körperarbeit
Wie ist unser Verhältnis zu unserem Körper? Können wir ihn annehmen, wie er ist? Hören wir auf die Stimme unseres Körpers, sind wir in ihm „zu Hause“? Die Sufi-Tradition verwendet eigene Techniken, um die Beziehung zu unserem Körper klar und spürbar zu machen. Auf der Grundlage der Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele wenden wir uns mit sufischen Methoden den vielfältigen Spuren zu, die unsere Lebensgeschichte in uns hinterlassen hat. Durch regelmäßiges und achtsames Üben können wir einen bewussten Zugang zu diesen Spuren erlangen und das Lernpotenzial, das in ihnen verborgen ist, verstehen. Damit wird die Grundlage für eine bewusste Identität geschaffen. Die Sufi-Tradition bezeichnet den Körper als erstes Tor der Heilung. Das Ziel ist ein Heilungsprozess im Sinne von Ganz-Werdung – nicht nur des Klienten, sondern auch des Heilenden und der ganzen Gemeinschaft. Die sufische Körperarbeit umfasst im Wesentlichen vier Aspekte: Al-Haraka-Al Muqaddas - Diese “Heiligen Bewegungen” setzen sich aus Bewegungsabfolgen zusammen, die Koordination und Bewusstheit trainieren und so die Verbindung von Körper und Verstand verfeinern. Dhikr bedeutet „Erinnerung an Gott“ durch das Singen der göttlichen Namen. Die kraftvolle Wirkung beruht auf der Verbindung von rhythmischer Bewegung, Stimme und Atmung. Sama - Der Wirbeltanz der Derwische erweitert die Wahrnehmung. Lataif - Das Erfahren der subtilen Körperzentren und ihrer Energien, insbesondere des Herzzentrums. An diesem Wochenendseminar wenden wir uns insbesondere den beiden erstgenannten Aspekten zu. Das Training beruht auf praktischer Übung und Erfahrung.
Sufi Mystik: Die Sehnsucht nach Frieden
Der Beginn unseres Jahrtausends stellt große Herausforderungen an die Menschheit. Die Gefahr durch Krieg, Terrorismus, Naturkatastrophen und Atomenergie hat neue Dimensionen erreicht; zugleich war die Sehnsucht nach Frieden noch nie so stark zu spüren. Wie kann jeder einzelne Mensch zum Frieden in der Welt beitragen? Jede Beziehung – ob zwischen Freunden, Partnern, Familien, Nationen oder Religionen - braucht ein gesundes Fundament, muss von gegenseitiger Toleranz getragen sein. Respekt vor dem Sein des Anderen vermag die Tür zum Herzen des Anderen zu öffnen. Das Wort „Islam“ bedeutet Hingabe an den Frieden. Jeder Mensch, jedes Lebewesen wird als eine Manifestation Gottes betrachtet und soll daher mit Respekt, Großzügigkeit und Mitgefühl behandelt werden. Die mystische Hinwendung zu Gott ist in allen monotheistischen Religionen, so auch im Islam, verwurzelt und findet im Sufismus ihren lebendigen Ausdruck. Sufismus bedeutet Weg der Klarheit. Ein Praktizierender auf diesem Weg ist nicht an eine religiös-kulturelle Zugehörigkeit gebunden. In der sufischen Mystik gibt es eine Reihe von Übungen und Meditationen, um das Prinzip der Hingabe an den Frieden zu vergegenwärtigen. Neben diesen „Übungen des Herzens“ sind Körperarbeit, ritueller Tanz und Gesang effektive praktische Schritte, um eigenen inneren Frieden zu finden und damit Zugang zum Frieden in der Begegnung mit Anderen zu ermöglichen. Im Gespräch wird die interreligiöse Dimension der sufischen Tradition in den Mittelpunkt gerückt.
Magische Schritte, Heilige Tänze aus der Sufitradition
Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt... Es ist entscheidend, wie bewusst dieser Schritt getan wird. In allen alten Kulturen kannte man rituelle Schritt- und Bewegungsfolgen, die sich auf das Bewusstsein und die Wahrnehmungsfähigkeit des Übenden auswirken. Einige davon sind uns durch die Naqshbandi-Rashidiya Sufi-Tradition überliefert und wir können sie auch in der heutigen Zeit für unsere Reise nutzen. Indem wir diese jahrtausende alten magischen Schritte ausführen und in uns lebendig werden lassen, erlauben wir uns, zu einem oft vergessenen Raum jenseits der Sorgen des Alltags vorzudringen. In ihrer Verbindung von Tanz, Rhythmus und Stimme sind diese archaischen Tanzformen Meditation in Bewegung und öffnen das Tor zum bewussten Erleben der Einheit von Körper, Geist und Seele. Das Seminar ist eine Einladung, die eigene Körperlichkeit zu spüren und sich der ursprünglichen Freude an Bewegung zu öffnen."
